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Ständig Muskelschmerzen, dazu dauernd müde und erschöpft – das sind die Hauptsymptome der Fibromyalgie, von der mehr als 3 Mio. Menschen in Deutschland betroffen sind, darunter rund 80 Prozent Frauen um die 40.

Fibromyalgie beschreibt eine chronische, nicht entzündliche Form eines rheumatischen Zustands, der vor allem die Übergänge zwischen Muskeln und Sehnen betrifft. Neben diesen Schmerzen treten im Verlauf der Erkrankung vegetative Beschwerden (z.B. vermehrtes Schwitzen, Schlafstörungen, Müdigkeit, Magen-Darm-Beschwerden) auf. Später kommen oft Schmerzen im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule hinzu. Erst danach entwickeln sich die typischen Schmerzen in Armen und Beinen. Kälte, Nässe, Infektionen und emotionale Belastungen können zur Verschlimmerung führen. Laborbefunde und radiologische Befunde sind im Gegensatz zu der Fülle an Beschwerden meist unauffällig.

Das Beschwerdebild ist meist vielschichtig

  1. Im Vordergrund stehen Dauer- und Ruheschmerzen der Muskulatur. Chronisch schmerzempfindlich (sog. Tender-Points) sind Muskel-Sehnen-Übergänge und Knorpel-Knochen-Übergänge (Brustkorb), aber auch kleine Hand- und Fußknochen. Betroffen sind vor allem die Muskeln und Sehnen, die den Körper aufrichten und bei schwacher Ausbildung Fehlhaltungen (z.B. Rundrücken, Beckenschiefstand) verursachen. Verstärkt werden die Schmerzen durch eine Überempfindlichkeit der sensiblen Nerven der Haut und des Bindegewebes (Faszien) sowie eine Überempfindlichkeit der fünf Sinne.
  2. Spannungskopfschmerz oder Migräne, die vor allem vom Nacken her über den Kopf zur Stirn zieht.
  3. Steifheit der Gelenke und Wassereinlagerungen: Schwellung des Gesichts, der Füße und der Hände mit dem Risiko eines Karpaltunnelsyndroms.
  4. Erschöpfung, Müdigkeit und Mattigkeit sind Leitsymptome. Sie sind oft so stark ausgeprägt, dass eine regelmäßige Berufstätigkeit nicht mehr möglich ist. Viele Patienten fühlen sich wie benebelt. Im Beschwerdebild gibt es eine deutliche Nähe zum sog. chronischen Erschöpfungssyndrom.
  5. Magen-Darm-Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung, Blasenbeschwerden sowie Allergien (Heuschnupfen bis Asthma) fehlen selten bei einer Fibromyalgie.
  6. Kreislaufstörungen: Patienten mit Fibromyalgie sind oft kälteempfindlich, berichten über Schwindelgefühle und eine schlechte Durchblutung der Hände und Füße.
  7. Stimmungsschwankungen als Folge der Missempfindungen und Schmerzen sind ein typischer Begleiter.

Welche Faktoren kommen als Ursache einer Fibromyalgie in Frage? Häufig sind berufliche oder kombinierte beruflich-familiäre Dauerbelastungen sowie einseitige Körperhaltungen (z.B. Bildschirmarbeit) oder häufig wiederholte Körperbewegungen (z.B. Heben und Tragen von Patienten / Gewichten) anzutreffen. Hinzu kommen Persönlichkeitsmerkmale wie Perfektionismus, Pflichtbewusstsein, Loyalität, Gewissenhaftigkeit und ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl bei eigener persönlicher Verletzlichkeit. Ein typisches Verhaltensmuster ist, immer zu funktionieren, auch unter Schmerzen, nicht nein sagen zu können und keine Arbeit für den nächsten Tag liegen zu lassen. Führende Forscher sind sich zwar einig, dass Fibromyalgie keine seelisch verursachte Erkrankung ist, dass dauerhafte Muskelschmerzen jedoch in der Folge viele Patienten betrübt und ratlos zurücklassen.

Differenzialdiagnostik

Da Fibromyalgie durch eine andere Grunderkrankung hervorgerufen werden kann, sind im konkreten Einzelfall vor allem folgende Erkrankungen diagnostisch abzuklären: Polymyalgia rheumatica, Muskelentzündungen, Erkrankungen des Bindegewebes (z.B. Sjögren-Syndrom), rheumatoide Arthritis, Arthrosen aufgrund von Fehlhaltungen bzw. Überbelastung, hormonelle Störungen und Infektionserkrankungen (z.B. Epstein-Barr-Virus, Borreliose). Abzugrenzen ist die Fibromyalgie u.a. von einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), einem chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS) oder einem Myalgie-Adynamie-Syndrom (z.B. nach einer Virusinfektion). Darüber hinaus stehen einige Medikamente im Verdacht, Muskelschmerzen auszulösen, die zum Beschwerdebild einer Fibromyalgie passen. Darum ist jede dauerhafte Medikamenteneinnahme in der Anamnese abzuklären.

Schmerzbehandlung

Wirksame Schmerzlinderung erfahren Fibromyalgie-Patienten vor allem mit sanften myofascialen Behandlungen (Bowtech). Meist muss zu Beginn der Behandlung ein körperlicher Entgiftungsprozess eingeleitet werden, um das Bindegewebe zu entlasten. Zu Beginn sind alle Behandlungsschritte (Bowen-Moves) besonders behutsam auszuführen, da die Muskulatur sehr berührungsempfindlich ist. Dies ändert sich erfahrungsgemäß innerhalb der ersten Wochen der Behandlung. Die Berührungs- und Druckempfindlichkeit der Muskulatur geht dann spürbar zurück. Die Behandlung sollte vom Patienten durch förderliche Ernährung, gymnastische Übungen, sanften Muskelaufbau und Entspannungsübungen begleitet werden. Begleitend empfehle ich Homöopathica zur konstitutionellen Unterstützung.

"Die Seele des Menschen mit all den Strömen puren, lebendigen Wassers scheint in den Faszien seines Körpers zu wohnen" (Andrew Taylor Still, 1828 - 1917; Begründer der Osteopathie)